Leo Tomschik

1903-1944, Dunckerstraße 58

Leopold bzw. Leo Tomschik wurde am 12.07.1903 in Zlabings (Slavonice), das damals noch zu Österreich-Ungarn gehörte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Stadt der neugegründeten Tschechoslowakei zugeschlagen. Er wuchs in Wien auf und gehörte der Sozialistischen Arbeiterjugend in Österreich an. Mit Beginn seines Arbeitslebens wurde er Gewerkschaftsführer. Von 1919 bis 1933 war er außerdem Mitglied der Naturfreunde, eine aus der Arbeiterbewegung entstandene Bewegung, der er auch nach seinem Umzug nach Berlin 1926 treu blieb. Aktiv war er in der angeschlossenen Fotogemeinschaft. Der SPD trat er 1931 bei.

Von Beruf Ingenieur fand er Arbeit als Konstrukteur in den Brandenburgischen Flugmotorenwerken in Berlin-Spandau, einem Rüstungsbetrieb. Dort fand er Kontakt zur Gruppe um den Kommunisten Robert Uhrig, der seit 1938 eine Widerstandsgruppe mit Zellen in Fabriken über ganz Deutschland aufbaute. Leopold Tomschik trat 1940 der Gruppe „Roby“ bei, entwendete wichtige technische Informationen über Flugzeugmotoren, die an die Sowjetunion weitergeleitet wurden und gewann weitere Techniker für den Widerstand. Er stellte Verbindungen zu Gleichgesinnten in Österreich her.

Die Gestapo zerschlug die Gruppe Uhrig am 4. Februar 1942 in einer großangelegten Aktion. Auch Leopold Tomschik wurde verhaftet und im Zuchthaus Brandenburg-Görden gefangen gehalten. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn am 5. Juni 1944 zum Tode wegen Hochverrat, Feindbegünstigung, die Gründung einer staatsfeindlichen Organisation sowie wegen des Verrats von Staatsgeheimnissen.

In der Anklageschrift A des Volksgerichtshofes heißt es:

„Die Angeschuldigten haben sich in der Zeit von 1938 bis 1942 in Berlin und anderen Orten des Inlands als Funktionäre einer aus Kommunisten und sonstigen Staatsfeinden bestehenden illegalen Organisation betätigt. Sie haben an zahlreichen Zusammenkünften und Besprechungen über den Aufbau und die Arbeit der Organisation teilgenommen, bei der Bildung von Betriebs- und anderen illegalen Gruppen mitgewirkt, Beiträge gezahlt oder kassiert, kommunistische Mundpropaganda getrieben und Gesinnungsgenossen geworben. Ferner haben sie Hetzschriften, darunter einen monatlichen ‚Informationsdienst‘, hergestellt oder zum Lesen und zu Verbreitung angenommen und weitergegeben. Der Angeschuldigte Tomschik hat dem Angeschuldigten Uhrig Mitteilung über den Bau und die Verbesserung von Flugzeugmotoren in den Brandenburgischen Flugzeugmotorenwerke gemacht. Uhrig hat eine Niederschrift über diese Mitteilung der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin zwecks Weiterleitung an die sowjetische Regierung zugehen lassen.“

Am 17. August 1944 sollte er in Plötzensee hingerichtet werden, nahm sich in der Nacht davor das Leben. Ein Abschiedsbrief an seine Frau ist erhalten.

Im Andenken an seinen Widerstand wurde sein Name auf dem Friedhof der Sozialisten in der Ringmauer auf einer Gedenksteintafel verewigt. 2008 ein Stolperstein in der Dunckerstraße 58, seinem letzten Wohnort, verlegt.
 

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