Lotte Rüdiger

Lebensdaten unbekannt, Lychener Str. 5


Werner Rüdiger 1954 (AdSD). Foto seiner Frau nicht auffindba

Viel weiß man nicht über Charlotte Rüdiger, genannt Lotte, die im Dritten Reich Widerstand leistete. Viel dagegen über ihren Mann, geboren 1901, SPD-Kreisvorsitzender nach 1945 im Prenzlauer Berg und Gegner der Zwangsvereinigung. Will man an also an ihren Widerstand im Dritten Reich erinnern, kann man das nur über ihn und selbst dann bleibt es Stückwerk.

Kennengelernt hat sich das Ehepaar Rüdiger nach dem Ersten Weltkrieg vermutlich bei der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ), der Jugendorganisation der SPD in der Weimarer Republik. Es waren meist Kinder und Jugendliche aus Arbeiterfamilien, die sich dort trafen. Lottes Geburtsdatum wissen wir nicht (seines schon: 21.10.1901). Das Hochzeitsdatum aber ist aus Akten bekannt. Sie gaben sich am 28.4.1928 das Ja-Wort. Werner Rüdiger war damals 27 Jahre alt, sie vermutlich rund fünf Jahre jünger. Männer heirateten damals, wenn sie sich beruflich etabliert hatten, so wie Werner Rüdiger als kaufmännischer Angestellter bei der Parteizeitung Vorwärts. Frauen heirateten, sobald es ging.

Die Machtübergabe an die Nationalsozialisten war ein tiefer Einschnitt für das Ehepaar Rüdiger. Beide entschlossen sich zum Widerstand. Sie verteilten den „Roten Stoßtrupp“, eine bereits 1932 gegründete Untergrundzeitung. Außerdem waren sie in der „Roten Hilfe“ aktiv, einer Vereinigung, die Geld für die Familien von Inhaftierten sammelte. Widerstandsarbeit nahm für die beiden Geschlechter unterschiedliche Formen an. Er sammelte das Geld bei Genossen ein. Seine Frau Lotte hatte die Aufgabe, die Verhältnisse der Frauen zu erkunden, deren Männer und Söhne verhaftet waren, damit die Hilfe wirklich dort landete, wo sie gebraucht wurde.

Solche Hilfe benötigte sie kurz darauf selbst. Ihr Mann wurde am 17.12.1933 verhaftet und wegen der Vorbereitung zum Hochverrat, Verbreitung illegaler Schriften und Weiterführung der sozialdemokratischen Partei angeklagt. Er wurde zwar mangels Beweisen freigesprochen, sie aber hatte in der Folgezeit in ihrer Firma mehrmals Schwierigkeiten durch ihre „antifaschistische Einstellung“. Er wurde in einem Rüstungsbetrieb in Hakenfelde zwangsverpflichtet und mehrmals von der Gestapo vorgeladen.

Nach der Befreiung traten beide Ehepartner der SPD wieder bei. Er kämpfte gegen die Zwangsvereinigung, sie verschwindet in dieser Zeit wieder in seinem Schatten. Erst als ihr Mann durch seinen Widerstand gegen die SED verhaftet und nach Bautzen verschleppt wird, taucht seine Frau aus diesem Dunkel wieder hervor – als Antragstellerin zugunsten ihres weggesperrten Mannes. Erfolgreich war ihre Vorsprache jedoch nicht: weder kam er frei, noch wurde sein (und ihr!) Widerstand durch den Status eines „Opfer des Faschismus“ im „Dritten Reich“ gewürdigt.

Werner Rüdiger kam 1954 frei, er starb 1966. Ihr Todesdatum ist uns so wie ihr Geburtsjahr unbekannt. Vermutlich hat sie ihren von Haft und Entbehrung gezeichneten Mann überlebt und es spricht einiges dafür, dass sie sowohl ihrem Mann als auch der SPD „die Treue hielt“- also das erfüllte, was damals ihre Rolle als Frau war.

Frauen, die eigenständig politische wahrgenommen werden, sind für zurückliegende Zeiten die Ausnahme. Frauen wie Lotte Rüdiger, die nur im Zusammenhang mit ihrem Mann wahrgenommen werden, sind die Regel. Viele Genossinnen wie sie haben ihr eigenes Leben in Gefahr gebracht und für sich Leid in Kauf genommen. Will man diesen mutigen Frauen gedenken, dann muss Gedenkpolitik die Ehepaare in den Fokus rücken, wo bisher nur die Männer standen.

 

Ihre Abgeordnete Clara West

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