„Das bisschen Sand im Stundenglas reicht nur noch für wenige Stunden“

Veröffentlicht am 10.06.2017 in Geschichte

Die letzte Unterschrift.

Was schreibt man seiner Liebsten, wenn einen nur wenige Sandkörner in der Lebensuhr vom Tode trennen? Diese Frage musste sich der Sozialdemokrat Leo Tomschick (1903-1944, Dunckerstraße 58) stellen. Wegen Hochverrats am 4.2.1942 verhaftet und am 5.6.1944 zum Tode verurteilt, blieb ihm in der Nacht vor der Hinrichtung nur noch ein Brief an sein „Mädi“ zum Abschied. Danach nahm er sich als letzten Akt von Selbstbestimmung das Leben, bevor es der Henker konnte. Sein Abschiedsbrief ist erhalten und soll an dieser Stelle unverändert wiedergegeben werden.

[Zugangs-Nr.] 1074/44
[Brandenburg (H)-Görden, den] 16.8.


Mein liebes Mädi, seit dem erwähnten Brief vom 9. Juli habe ich keine Post mehr erhalten und es wird mich auch keine mehr erreichen, denn nun geht’s an’s Abschiednehmen. – Das bisschen Sand im Stundenglas reicht nur noch für wenige Stunden, bis mit dem Fall des letzten Körnchens auch mein Leben verlischt. Trotz Deiner unermüdlichen Bemühungen, trotz Billy’s Meinung ist dies Ende nicht aufzuhalten. – Meine Lebensuhr hat eben vor mehr als 2 ½ Jahren einen Knacks bekommen und bleibt stehen, nachdem sie kaum über die Hälfte ihrer Zeit im Gang war. - - Du sollst aber tapfer und mutig darüber hinwegschreiten – sieht, wir lebten in einer Zeit, in der der in vielen Millionen von Familien Gast geworden ist, - durch seine Häufigkeit hat er an Schrecken verloren, wenn er auch nach wie vor grausam  ist. – Aber du teilst Dein Leid mit einer unübersehbaren Schar von Schiksalsschwestern u. -Brüdern, ich mein Los ebenso mit den meinen, - Dir wünsche ich nur, daß Dir der Krieg und dessen Nachwehen nichts weiter nimmt und Du über die schwere Zeit Dich in ein Dasein hinüberretten kannst, wo mehr Sonne dich umgibt als in den letzten Jahren, - ich bitte dich nur, mein Vermächtnis, das ich Dir hinterlassen habe, zu erfüllen, Rudolf wird Dir dabei behilflich sein – Mir ist nicht danach, große Worte zum Abschied zu machen, ich habe Dir in vielen Briefen mein Herz, meine Seele aufgedeckt, Du konntest darin lesen wie in einem Buch.- Ich gehe in die ewige Ruhe ein mit dem Bewusstsein, einer großen Liebe teilhaftig geworden zu sein. – Sie war nicht von langer Dauer, dafür aber um so tiefer. – Ich danke Dir dafür und bin Dein bis zum letzten Ende. – Behalte mir ein gutes Angedenken, aber verliere Dich nicht in einem unfruchtbaren Schmerz. - - Daß ich meinen Jungen seinen Lebensweg nicht bereiten konnte, daß ich bei ihm in Vergessenheit geraten musste, hat mich tief geschmerzt, aber das Ende glättet auch diesen Schmerz. Behalte den Jungen stets im Auge und wenn er reif dafür ist, erzähle ihm von dem leidvollen Schiksal seines Vaters. Und er soll seinen Weg gehen, getreu und aufrecht, wie ich den meinen durch’s Leben ging.- - Und nun, mein Liebstes, laß mich Abschied nehmen. – Es ist unser Schiksal, daß wir nur kurze Zeit nebeneinander herschreiten durften. – Überwinde und finde Dich selbst wieder. – Nun grüsse mir nochmals die Deinen, auch meine Verwandte sowie alle Freunde. – Mögen Sie mir ein gutes Andenken bewahren. – Meinem Jungen die besten Segenswünsche für sein weiteren Weg, ebenso auch Dir. Ich schliesse Dich in nochmal in meine Arme als Dein Leo.
 

 
 

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