Rudolf Quade

1897 – unbekannt, Stargader Straße 68


Der Adressbucheintrag von 1937

Rudolf Quade war ein „bürgerlicher Demokrat“ und „Kautskyaner schlimmster Sorte“ – zumindest wenn es um die Informanten der KPD ging, die ihr Urteil über den Abteilungsvorsitzender der SPD Helmholtzplatz (Abteilung 66) fällten. Grund für diese nicht schmeichelhaften Zuschreibungen: Rudolf Quade war entschiedener Gegner der Zwangsvereinigung von SPD und KPD.

Über seine Vorgeschichte ist wenig bis gar nichts bekannt. Durchsucht man die Adressbücher Berlins zwischen 1920 und 1944 nach Rudolf Quade, so stößt man 1929 auf einen Haushaltsvorstand mit diesem Namen als Metallarbeiter in Neukölln, Hermannstr. 176. Im Berliner Adressbuch von 1934 findet man einen gleichnamigen Quade als Lagerhalt in der Stargader Str. 68, ab 1943 als Dekateur unter der gleichen Adresse. Dekateur ist ein anerkannter handwerklicher Lehrberuf, der ausschließlich in der textilverarbeitenden Branche zu finden ist. Sicher ist, dass er nach dem Krieg Mitarbeiter im Bezirksamt Pankow war, Bereich Finanzen.

Deutlicher wird seine Rolle in der Zeit nach 1945. Nach der Zulassung der Parteien durch die Sowjetische Militäradministration stand die Frage der Vereinigung der Arbeiterparteien im Vordergrund. Erst blockte die KPD Vereinigungsbestrebungen ab, erst sollte die KPD durch die aus sowjetischen Exil zurückgekehrten Funktionären zu einer stalinistischen Partei umgebaut werden. Diese Linie änderte sich schlagartig, als die Wahlen in Österreich zu einer Katastrophe für die Kommunisten wurden: 5% für die KPÖ, 40% für die SPÖ. Jetzt sollte alles plötzlich schnell gehen. Bei der SPD verhielt es sich anders herum. Erst einer Vereinigung gegenüber offen, vergrößerte sich der Widerstand gegen einen Zusammenschluss. Grund waren zum einen die zunehmende Stärke der SPD, zugleich die extreme Bevorteilung der KPD bei der Besetzung der Verwaltungsposten.

Beim Aufbau der SPD war Rudolf Quade von Anfang an dabei. Er war 1945 und 1946 Leiter der SPD Abteilung 66 am Helmholtzplatz. Zur Vereinigung verhielt er sich kritisch. Im Februar 1946 lehnte er einen Vorschlag der KPD ab, die einen vorbereitenden Ausschuss zur Vereinigung von SPD und KPD im Prenzlauer Berg einrichten wollte. Quade erklärte, dass er sich an die Beschlusslage seiner Partei halte, die „vor dem Reichsparteitag nichts tun werde“. Zum Bruch mit dem Zentralausschuss der SPD kam es bereits Mitte Februar 1946. Der Zentralausschuss beanspruchte Vertreter der ganzen Partei zu sein, hatte aber nur ein grundsätzliches Votum der Berliner Basis dafür erhalten. Zunehmend geriet der Zentralausschuss in den Einfluss der sowjetischen Militäradministration und verfolgte einen Einigungskurs, gegen den wachsenden Widerstand an der Basis.

Rudolf Quade gehörte zu einen der frühen Gegner. Er stellte sich gegen Kreisvorstand und seine Abteilung, als diese noch Beschlüsse zur Vereinigung führten. Die Wahlen bei dem FDBG kritisierte er als nicht demokratisch durchgeführt. Die Legitimation des Zentralausschusses stellte er zunehmend in Frage. Der Kreisvorstand schwenkte im März auf seine Linie ein. Er gehörte zu den Befürwortern einer Urabstimmung der SPD-Mitgliedern über die Frage der Vereinigung. Mit ihm stimmen 16 andere Genossen, unter anderem der Kreisvorsitzende Werner Rüdiger. Neun Vorstandsmitglieder stimmen gegen die Mitgliederbefragung, teils unter Eindruck der anwesenden sowjetischen Offiziere.

Am 31. März eskalierte der Streit um die Vereinigung. Es war ein sonniger Tag, für die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ging es um die Zukunft der Partei. Im Westteil der Stadt konnte die Abstimmung frei durchgeführt werden. Im Ostteil dagegen legte die sowjetische Militäradministration der SPD Steine in den Weg. Rudolf Quade lief nach der Genehmigung, wie es im Tagesbericht hieß. Als Wahlleiter des Prenzlauer Bergs dirigiert er möglichst viele Genossen in den Wedding, in die Graunstraße. Dort stimmen die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten mit deutlicher Mehrheit gegen die Vereinigung.

Er ist Delegierter bei dem „Vereinigungsparteitag“ am 19. und 20. April 1946, auf dem die Vereinigung beschlossen wird. Sein Verhalten ist uns nicht bekannt. Die SPD exisiterte auf jeden Fall erstmal nicht mehr im Osten Berlins, erst am 6. Juni 1946 stellt die SPD im Prenzlauer Berg den Antrag auf Wiederzulassung. Als Verantwortlicher wird Rudolf Quade benannt. Auf der Kreisdelegiertenkonferenz kritisiert er den Kreisvorsitzenden Werner Rüdiger als wankelmütig in der Vereinigungsfrage. Rüdiger wird gewählt, Quade mit 71 bei 147 Stimmen zwar gewählt, aber deutlich abgestraft.

In der Folgezeit nimmt er an Landesparteitagen der West-Berliner SPD als Delegierter teil. Bei der letzten freien Wahl im Ostteil Berlins am 20.10.1946 wird er als Bezirksverordneter gewählt, im Dezember zum Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung bestimmt. Beruflich kommt er im Bezirksamt Prenzlauer Berg unter. Bei der zweiten Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses wird er 1954 als Abgeordneter gewählt – die Berliner SPD sicherte auf ihren Listen im Westteil der Stadt Vertreter des Ostteils ab, die dort nicht mehr in freien Wahlen antreten konnten.
 

 

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