Erinnerung an Jan Schad

Veröffentlicht am 17.06.2021 in Abteilung

Heute vor drei Jahren und nur wenige Tage nach seinem 68. Geburtstag verstarb plötzlich und völlig unerwartet unser lieber Genosse und Parteifreund Jan Schad. Mit ihm ist ein ostdeutscher Sozialdemokrat der ersten Stunde von uns gegangen, dem die SPD unendlich viel zu verdanken hat. Ein kleiner, älterer und stets freundlich lächelnder Herr, auf der Schulter eine viel zu schwere Tasche, in der er seine Bücher und Unterlagen und – natürlich - die Handkasse seiner Abteilung mit sich herumschleppte. Für viele von uns war er ein loyaler und leidenschaftlicher Genosse, für nicht wenige ein im wahren Sinne des Wortes liebenswerter und guter Freund.

Wer Jan nur ein wenig kannte, musste ihn um seine fundierten und faszinierenden historischen Kenntnisse beneiden, die er bereitwillig vor anderen ausbreitete und mit ihnen teilte, ohne jemals oberlehrerhaft oder altklug daherzukommen. Dank seines akribischen Quellenstudiums, das er während und nach seiner Arbeit im Berliner Stadtmuseum fortsetzte (Robbespierre las er im Original), wusste er bisweilen kichernd über die Großen und nicht ganz so Großen der deutschen und der Weltgeschichte Details zu berichten, die ihnen wirkliche Gerechtigkeit widerfahren ließen und sie von jenem Sockel hoben, den andere aus in der Regel höchst eigennützigen Motiven errichtet hatten.

Dass dieser ungemein kritische und wache Geist in der SPD nie etwas anderes als der Kassierer seiner Abteilung sein und werden wollte, war auch für seinen engeren Freundeskreis nicht immer leicht zu begreifen. In allen ihm wichtigen Debatten ergriff er mal mit sanftem Spott, mal voller Leidenschaft und gelegentlich auch zornig das Wort, das für die Jüngeren wie für die Älteren stets besonderes Gewicht hatte. Bei Infoständen, Plakat- und Verteilaktionen war er nicht nur zu Wahlkampfzeiten immer dabei und wich keiner Diskussion aus. Man dankte es ihm bei den Vorstands- und Delegiertenwahlen mit durchgängig traumhaften Ergebnissen.

Er war keiner von den SPD-Kassierern, die die Kasse hüten wie den Schatz der Nibelungen, obwohl er als Musikliebhaber Wagner verehrte. Über Wagner konnte man sich wunderbar mit ihm streiten. Keinen Streit gab es mit ihm über Navy CIS und den großartigen Leroy Jethro Gibbs, wenn der beklagte, dass jeden Tag Unschuldige sterben, weil gute Menschen nichts tun.

Jan war sich nicht zu schade, auch noch das schlechteste SPD-Flugblatt zu verteilen. Die Bezeichnung „Parteisoldat“ hätte er stets entrüstet von sich gewiesen, lieber sprach er über die Unzulänglichkeit von fast Allem und allen und grinste dabei fröhlich und manchmal auch ein kleines bisschen boshaft. Das konnte er richtig gut. Das war bei ihm ein ständiges Ringen damit, was es eigentlich bedeutet, Sozialdemokrat zu sein.

Dieser große kleine Mann war ein überzeugter Sozialdemokrat, ein demokratischer Sozialist reinsten Wassers, der seine Illusionen verloren hatte und dennoch oder gerade deshalb nie bereit war, seine Träume aufzugeben oder gar zu verraten. Das Vorbild, das er für viele von uns zu Lebzeiten war, wird er über den Tod hinaus bleiben. Die Abteilung 12 wird ihm ein ehrendes, ein liebevolles Andenken bewahren.

Clara West und Martin Müller
 

 
 

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