Gregor Gysi's verpasste Chance

Veröffentlicht am 22.04.2016 in Berlin

Erinnerungstafel an der Zinnowwaldschule. Dort wurde die SPD nach der Zwangsvereinigung wiedergegründet.

Eigentlich kann man Gregor Gysi schätzen. Er ist ein ausgezeichneter Redner, der Widersprüche und Fehler anderer zuspitzen und offenlegen kann. Leider ist er auch einer, der gut verschleiern kann. Anders kann man seinen Beitrag zur Zwangsvereinigung nicht lesen. An anderer Stelle ist genug über die Zwangsvereinigung geschrieben worden, deswegen hier nur kurz zu seinen Argumenten eine Antwort.

  • „Zunächst [war]  …die KPD-Führung … dagegen [gegen die Vereinigung]. Sie wollte selbständig bleiben.“ Trifft es nicht ganz. Die aus Moskau eingeflogene Gruppe Ulbricht wollte erstmal eine Partei neuen Typs errichten und die KPD mit Hilfe der sowjetischen Besatzungsmacht größer als die SPD machen. Das erste hat funktioniert, das zweite nicht.
  • „Dann sollte aber eine Konkurrenz zwischen beiden Parteien in den ostdeutschen Parlamenten vermieden werden“: Diese Erkenntnis gewann die KPD erst nach den Wahlen in Österreich, wo die KPÖ mit rund 5% weit hinter der SPÖ (40%) lag. Erst dann sollte es schnell gehen mit der Vereinigung, um eine Wahlniederlage in der Sowjetischen Besatzungszone zu verhindern. In Berlin übrigens scheiterte das, die SPD lag weit vor von der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) unterstützen SED (SPD 48,7%, 19,8% und Platz 3 für die SED)
  • „Otto Grotewohl, der Chef der SPD im Osten, äußerte sich strikt dagegen und änderte seine Meinung nach einem Moskau-Besuch, wodurch auch immer.“ Wodurch auch immer. Ja. Genau.
  • „Bis zum Schluss blieben im Politbüro des ZK der SED auch ehemalige SPD-Mitglieder.“ Willy Brandt hat zu zwanzig Jahren Zwangsvereinigung eine Statistik aufgemacht: 4 ehemalige Sozialdemokraten im ZK, 20 ehemalige NSDAP-Mitglieder.

Am meisten aber enttäuscht, dass Gysi nicht mal den Umweg geht, über die verfolgten KPD-Mitglieder zu gehen, die den Krieg über in Deutschland blieben und nach dem Krieg dann an den Rand gedrängt wurden von der aus Moskau importierten Parteispitze. Sie wurden oft verfolgt und eingesperrt. Durch die Zwangsvereinigung hat die SPD in der sowjetischen Besatzungszone aufgehört zu existieren. Zuvor aber hat es die KPD erwischt. Warum das beschönigen und das gerade von einem Rhetoriker, der sich als Aufklärer sieht und nicht als Verschleierer? 

 
 

Kommentare

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Gregor Gysi's verpasste Chance

Liebe Genossinnen und Genossen, vielen Dank für Euren Beitrag zu Gysi's Artikel. Da hat der Genosse G. die Zwangsvereinigung aber durch eine besonders dicke historische Milchglasscheibe sehr, sehr vereinfacht dargestellt! Schade, dass sowas in unseren "Qualitätsmedien" heute leider möglich ist, ohne dass von Redaktionsseite da zumindest eine historisch-politische Einordnung passiert. Solidarische Grüße Uwe Vogel Abt. 01 Niederschönhausen-Blankenfelde

Autor: Uwe Vogel, Datum: 22.04.2016, 19:07 Uhr


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